Abios Amigos – 12 Jahre Siesta, jetzt Fiesta

... Ein besonderes Augenmerk lag hierbei auf der Tatsache, das „der Kampf der Geschlechter“ dieses Jahr in den wichtigsten Kategorien – den Ehrungen – unentschieden ausging. Seine Rede gipfelte in einem Dank an alle Schülerinnen und Schüler, weil nicht nur diese von den Lehrkräften, sondern auch die Lehrkräfte von ihnen lernen konnten. Herrn Körber folgten Landrat Kroder, Frau Wettlaufer für den Elternbeirat, Herr Lins vom Förderverein, der 2. Bürgermeister von Lauf Herr Maschler und schließlich der neue Schulleiter Herr Kraus. Allen war gemeinsam, dass sie einerseits zurückblickten („Seid stolz, weil ihr aus eigener Leistung das Abitur bestanden habt,“ so Herr Kroder) und zugleich einen Ausblick nach vorne wagten. So gab es vor allem Ermunterungen, „das eigene Glück zu finden, Träume zu erfüllen, die Gesellschaft voranzubringen, und zwar nicht nur am Freitag,“ wie Frau Wettlaufer formulierte. Bei der Erfüllung so manchen Traumes am CJT half der Förderverein, und die Summe, die Herr Lins als getätigte Ausgaben für die vergangenen 24 Jahre nannte, war sehr wohl beeindruckend: zwei Millionen Euro. Herr Lins war es auch, der als erster der Redner bzw. Rednerinnen ein wenig vor den Gefahren der modernen Medien warnte: „Denken ist wie googeln, nur krasser. Ich frage eine Maschine, die mir sagt, was ich wissen soll; in anderen Ländern nennt man das Zensur, bei uns regt sich keiner auf.“
Auch Herr Kraus griff bei seiner Interpretation des diesjährigen Abimottos die neuen Medien auf. „‘Siesta‘ bedeutet in Spanien ursprünglich kein Schläfchen in der Mittagszeit, sondern Zeit für Freunde, gute Gespräche, Meinungsbildung, Zeit fürs Erwachsenwerden, auch Zeit herauszufinden, wer man ist und was man will oder eben gerade nicht. ‚Bios‘ wiederum steht altgriechisch für ‚Leben‘ und war zudem einmal ein Begriff für Software, ‚a‘ bedeutet eigentlich ‚ins Gegenteil‘. ‚Abios‘ heißt folglich ‚Ablehnung der digitalen Medien.“ Ein leicht verschmitztes Lächeln in seinem Gesicht machte alle Anwesenden schnell klar, dass dies nicht der Weisheit letzter Schluss sein konnte, war doch allen bewusst, dass, wie Herr Kraus weiter ausführte, „gerade die jungen Menschen heute besser vernetzt als je sind, Wissen schnell gegoogelt ist und die Technik Probleme zu beseitigen hilft, die es ohne sie erst gar nicht gäbe.“ Deshalb sein Rat, die Handys auch einmal beiseite zu legen, wenn man mit der Familie oder Freunden unterwegs ist.
Auch sein zweiter Interpretationsversuch, dass ‚abios‘ vielleicht ‚weg vom Lebenden‘ bedeute, weist Herr Kraus schnell ins Land der Phantasie, da die Generation der Abiturientinnen und Abiturienten wieder politisch aktiv seien (siehe z.B. Fridays for Future), das Leben also annähmen. So bliebe nur der dritte Klärungsversuch, nämlich ‚Abios Amigos als ‚Auf Wiedersehen, Freunde‘ wiederzugeben. Dieses ‚auf Wiedersehen‘ verband Herr Kraus mit der Hoffnung, dass die Abiturientinnen und Abiturienten ihre Verbundenheit mit dem CJT beibehielten gemäß dem spanischen ‚sobremesa‘, dem Tischgespräch, das auch noch dann weitergeführt wird, wenn der Tisch bereits abgeräumt ist.
Nach einer längeren Pause – Abendessen – kam schließlich der Moment, auf den alle Abiturientinnen und Abiturienten 12 Jahre gewartet hatten: die feierliche Überreichung ihrer Zeugnisse durch die Oberstufenkoordinatoren und den Schulleiter.
Diesem Zeremoniell folgte die Abiturrede, dargeboten von den Abiturienten Yavuz Coskun und Raphael Drude. Mit einem Schuss Selbstironie –„wir haben mehr Fehltage angehäuft als es Schultage gibt; die anfängliche Euphorie endete nach der ersten Klausur in Depressionen und wurde folglich auf die 12. Klasse verschoben; wir haben viel gelernt, z.B. das Wort „fundiert“, das Frau Pfister sehr häufig verwendet und dessen Bedeutung wir nie verstanden haben, es jetzt aber trotzdem selbst viel verwenden“ – führten die Abiredner amüsant durch die vergangenen zwei Oberstufenjahre, um dann umso überraschender auch das Thema Rassismus aufzugreifen. „Rassismus und Mobbing gibt es nicht am CJT; es gibt kein Ausschließen und keine Diskriminierung. Darauf können wir stolz sein,“ so Yavuz Coskun, und dafür dankte er auch dem Abiturjahrgang.
Der Abend klang schließlich aus mit der Ehrung der Kursleiter, der Vergabe des Kunstpreises der Raufeisen Spar+Kreditbank Lauf durch Herrn Mayer, Ehrungen für herausragende Leistungen in Physik, in Chemie, in Informatik und für herausragende Seminararbeiten.
Schließlich wurden noch die 18 besten Schülerinnen und Schüler geehrt (Note 1,5 und besser), wobei die Allerbesten für ihren Schnitt von jeweils 1,0 zusätzlich von der Rudolf-Neugebauer-Stiftung ein Preisgeld erhielten.
Ehrungen für besonderes soziales Engagement – Lateinformation, Sanitätsdienst, Theater, Bigband, Kreatives Schreiben, Orchester, Technik, Schülerzeitung und Organisation der Abiturfeier, Ausschankteam, Catering Team etc. - beendeten diesen Reigen.
Nach sage und schreibe siebeneinhalb Stunden ging dieser trotz allem kurzweilige Abend zu Ende. Ein besonderer Dank an alle, besonders auch an die Band Amplified Ascension, die für die musikalische Untermalung sorgte und den einen oder die andere dazu bewegt hatte, sogar das Tanzbein zu schwingen.
Matthias Kausch