Auch 75 Jahre danach: Ein Muss für Schülerinnen und Schüler

... Trotz aller unterrichtlichen Vorbereitung auf das, was die Schülerinnen und Schüler in Dachau erwartet, scheinen die meisten doch nicht wirklich darauf vorbereitet. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Foltermethoden so grausam waren,“ so die Aussage eines Schülers des CJT nach dem Besuch. Foltermethoden bei Verfehlungen wie z.B. die Betten nicht ordentlich gemacht zu haben waren unter anderem der Bock und der Baum, letzteres auf zwei unterschiedlich perfide Arten. Ersteres bedeutete, sich über einen Bock zu legen, um an Hintern und hinteren Oberschenkeln ausgepeitscht zu werden, bis die Kleidung und das Fleisch in Fetzen hing. Zweites hieß an den Händen nach oben aufgehängt zu werden, entweder über vorne oder aber über hinten, was unweigerlich zum Auskugeln der Schultergelenke führte sowie zu Sehnenrissen und Knochenbrüchen. Dagegen wirkte das stundenlange Stehen bei jedem Wetter fasst schon human.
So wundert es nicht, dass die Schülerinnen und Schüler ob der Grausamkeit mancher der Erzählungen bei der geführten Begehung des KZ erschüttert waren. Aber das „Leben“ in einem KZ kann nicht plastischer geschildert werden als bei einem direkten Besuch vor Ort, denn „es gibt immer noch Leute, Neonazis, die die Misshandlungen und Tötungen als Lügengebilde abtun,“ wie ein Guide berichtet. Dachau, das nicht als Vernichtungslager konzipiert und genutzt wurde (aber dennoch über eine immer noch begehbare Vergasungsanlage verfügte), hinterließ dennoch etwa 40000 Tote zwischen den Jahren 1933 und 1945, trotz der Vernichtung der meisten Leichen in den Krematorien gut nachzuvollziehen anhand der gründlichen Aufzeichnungen der SS-Schergen. Der Erhalt des „Brauseraums“ und der Krematorien hinterließ den eindringlichsten Eindruck bei den Jugendlichen, wird hier Vernichtung doch am plastischsten deutlich.  
Matthias Kausch