Die gute Seele des Hauses sagt leise servus

 ... Besonders Letzteres führt bei ihr auch zu nachdenklichen Gedanken. Da das Reinigen von z.B. Schulgebäuden immer wieder neu ausgeschrieben wird und in der Regel das offiziell beste Angebot den Zuschlag erhält, sah sich Frau Bauenschmidt jedes Mal aufs Neue damit konfrontiert, ob sie die Reinigungsfirma oder den Reinigungsort wechseln sollte. Und sie entschied sich jedes Mal für die neue Firma, und dass, obwohl die Arbeitsbedingungen für Reinigungskräfte über die Jahre immer schwieriger wurden. „Hatten wir am Anfang vier Stunden Zeit, um ein Stockwerk zu reinigen, müssen wir heute in derselben Zeit zwei Stockwerke schaffen,“ sagt sie und deutet an, dass dabei zwangsläufig die Qualität leiden muss.
Nicht jedoch bei ihr. Unaufdringlich und immer höflich ging sie stets ihrer Arbeit nach und reinigte dabei auch Dinge, die als unmöglich angesehen wurden. So trug in der kleinen Abschiedsfeier Herr Bauer, Hausmeister und selber schon längst eine gute Seele des Hauses, eine kleine Anekdote zur lockeren Atmosphäre bei. „Zwei Lehrerkollegen wollten mich dabei unterstützen, Löcher in eine Wand zu bohren, verzichteten dabei aber auf die Verwendung eines Staubsaugers. Und so sah der Gang dann auch aus. Ich bemühte mich stundenlang, den Boden wieder sauber zu bekommen, doch vergebens. Dann kam Frau Bauenschmidt und innerhalb weniger Minuten war alles picobello sauber.“ Noch verrückter klingt eine zweite Ankedote, in der eine Lehrerin vor sehr vielen Jahren einer anderen Lehrerin einen Gefallen tun wollte, indem sie für deren Hühner zuhause Nacktschnecken sammelte, in ein Glas mit Deckel steckte und schließlich im Lehrerkühlschrank deponierte. Und über die Ferien dort vergaß. Folge: Die Schnecken begannen im Glas zu gären. Als nach den Ferien eine weitere Kollegin das unappetitliche Glas vorfand, wollte sie den Inhalt in der Toilette entsorgen. Beim Öffnen des Deckels entwichen allerdings die Gase mit karracho und die Nacktschnecken klebten überall in der Toilette. Eine riesen Sauerei und dennoch kein Problem für Frau Bauenschmidt. Stoisch machte sie sich an die Arbeit, sodass am Ende niemand mehr bemerkte, was für eine Sauerei sich da vorher abgespielt hatte.
Und so geht letzten Endes nicht nur eine Reinigungskraft, sondern es verlässt mit Frau Bauenschmidt eine Institution das CJT, die mit Fug und Recht als die gute Seele des Hauses betrachtet werden konnte. Herzlichen Dank, Frau Bauenschmidt! Ihren Platz in den Annalen des CJT haben sie sich redlich verdient!
Matthias Kausch