Und sie trugen uns bis ins Ziel, die Abiletten...

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...Die abendliche Stimmung unter einem fast bis zum Ende gnädig gestimmten Himmel tat ihr Übriges zum Gelingen der Veranstaltung.
Durch den Abend führten gekonnt Lilly Schneider und Tobias Gebhard, die beiden Hauptredner waren Oberstufenkoordinator Ingo Körber und Schulleiter Wolf Kraus. Die musikalischen Leckerbissen lieferten dieses Jahr Emilia Gutheil und Brenda Vas, die mal alternierend, mal gemeinsam für die gesanglichen Einlagen sorgten – mit Amy Whinehouse‘ ‚Rehab‘ im Duett als absolutem Highlight –, begleitet von Nele Müller, Simon Gröf, Till Kraus und Konstantin Wiehler an den Instrumenten.
Die erste Rede gebührte Ingo Körber, der zunächst herausstrich, was in den zurückliegenden beiden Jahren wohl eher als negativ und traurig empfunden werden konnte: „Es gab wegen Corona keine Studienfahrten, und aus Lehrersicht fand der Online-Unterricht vor schwarzen Bildschirmen statt – eine Herausforderung für beide Seiten.“ Positiv für so manchen Schüler oder manche Schülerin war wohl eher hingegen, dass die Oberstufenkoordinatoren wegen des Online-Unterrichts nicht wie gewohnt ihrer Aufgabe nachkommen konnten „den Schülern im Bedarfsfall in den Hintern zu treten“. Geschadet hat es am Ende doch fast keinem, da 127 Schülerinnen und Schüler erfolgreich durchs Abitur geführt werden konnten, und dies mit einem Traumdurchschnitt von 2,04. Damit toppt das CJT den bayernweiten Durchschnitt noch, der mit 2,1 ebenfalls einmalig ist. Auch vier Mal die Traumnote von 1,0 und reihenweise Notenschnitte von 1,1 bis 1,5 zeigen, dass Corona den Abschlussklassen am CJT letzten Endes nichts anhaben konnte.
Das diesjährige Abiturmotto ‚Abiletten – jahrelang durchgeschlappt!' griff Schulleiter Wolf Kraus mit Beginn seiner Rede auf. Der Ursprung der Abiletten finde sich im Jahre 1963, der Namenspatron war die Firma Adidas, die ihre Badeschlappen fast gleichen Namens auf den Markt brachte. So weit konnte Herr Kraus dem Motto problemlos folgen. Mit dem zweiten Teil fremdelte er hingegen ein wenig, denn ‘durchgeschlappt‘ – das passe eigentlich nicht, es klinge nach müde, schlapp, und die AbiturientInnen waren in den vergangenen zwei Jahren seiner Auffassung nach alles andere als das. Selbst wenn sie sich vielleicht zum Abitur hätten durchschlappen wollen, Corona habe dies gar nicht zugelassen, so Wolf Kraus in seiner Rede. Die vorübergehende Umstellung von Präsenz- auf Distanzunterricht, das Tragen von Masken, Selbsttests und immer wieder neue Vorgaben durch das Ministerium – die in aller Regelmäßigkeit viel zu spät an der Schule eintrafen – führten zu ganz neuen Herausforderungen und spätestens hier zeigten alle AbiturientInnen, wie flexibel, anpassungsfähig und vor allem auch willig sie waren, alle Maßnahmen mitzugehen. Dies galt selbst für den Abischerz – üblicherweise eine Massenveranstaltung auf dem Sportplatz, bei der am Ende eher wenige SchülerInnen erreicht werden –, der ebenfalls den Gegebenheiten angepasst werden musste mit dem Ergebnis: „Ich bin nun seit 20 Jahren am CJT und dies war der beste Abischerz! Warum? Weil durch die Verlegung von draußen nach drinnen in die Klassenräume viel mehr SchülerInnen erreicht werden konnten als sonst.“
So negativ Corona insgesamt auch gesehen werde, für die Zukunft der AbiturientInnen bringe es auch etwas Positives, so Herr Kraus. „Kann ich mich z.B. richtig strukturieren?“ Eine von vielen Fragen, die fürs Studium wichtig sind. Der Distanzunterricht habe hier erste Antworten geben können. Zugleich sei die Überreichung der Abiturzeugnisse ein Aufbruch in eine neue Zeit, die für Vieles stehe: „Abschied von Freunden, sich ausprobieren, anecken, Zeit für Neues.“ Besonders wichtig aber – und hier wurde Herr Kraus sichtlich ernst – sei Folgendes:. „Nelson Mandela sagte einmal ‚Education is the most powerful weapon to change the world’. Macht euch daher bewusst, wie privilegiert ihr seid und hinterfragt alles. Selbst in manchen Staaten der EU sind Werte wie Freiheit und Demokratie eingeschränkt. Daher stellt euch den Herausforderungen, diese Werte hochzuhalten. Ihr habt die Verpflichtung dazu!“ Starke Schlussworte in einer Rede, die eigentlich noch zum ersten Teil des Abends gehörte.
Es folgten die feierliche Übergabe der Abiturzeugnisse und schließlich noch die obligatorischen Ehrungen für herausragende Leistungen und Übernahmen von Aufgaben.
Den Abschluss bildete wie in jedem Jahr die Rede der AbiturientInnen selbst, dieses Mal verteilt auf viele Schultern in einer Art Reflexionsgespräch: Was macht eine gute Abirede aus? Über allem und jedem war zusammengefasst eines klar: Trotz der Ungewöhnlichkeit dieses Abiturjahrgangs sind am Ende alle zusammengerückt, sind ein Team geworden. Und wie ein Zeichen hierfür zeigte sich über der Veranstaltung während eines kurzen und nur leichten Regenschauers ein Regenbogen und halfen tatsächlich alle Anwesenden mit, die Tische und Stühle nach Beendigung der Feier ins Trockene, sprich ins Schulgebäude zu tragen. Schapeau und nochmals herzliche Gratulation allen Abiturientinnen und Abiturienten für ihr bestandenes Abitur!
Matthias Kausch