Autorenlesungen

„Pullerpause im Tal der Ahnungslosen“ – rätselhafter Titel eines lehrreichen und witzigen Buches

„Wenn ein Kind mit 18 Jahren einen Trabi fahren wollte, musste man diesen schon bei seiner Geburt bestellen“, ist eine der vielen Antworten auf Franziska Gehms Frage, was die Fünftklässler des CJT-Gymnasiums bereits über die DDR wissen. Denn um diese geht es in ihrem brandneuen Kinderbuch  „Pullerpause im Tal der Ahnungslosen“. Die 10- bzw. 11-Jährigen weisen erstaunlich viel Vorwissen über die damaligen Verhältnisse auf und nehmen angeregt an dem Gespräch teil.

Die Geschichte handelt von Jobst und seiner Mutter aus München, die mithilfe eines alten Koffers, eines Familienerbstücks, durch die Zeit reisen können. Auf dem Rückweg vom Sommerurlaub im Mittelalter muss die Mutter eine „Pullerpause“ einlegen und die beiden landen im Jahr 1987 mitten in der DDR. „Nichts regt sich, Stille wie Laub auf der Welt“, ist ihr erster Eindruck von der neuen und unbekannten Umgebung. Durch eine Verkettung unglücklicher Ereignisse kommt ihnen ihr Koffer abhanden, ohne den sie nicht in die Gegenwart nach München zurückreisen können. Auf der Suche nach dem Koffer lernt Jobst zwei Kinder kennen und erfährt von ihnen einiges über das Leben in der DDR, über das Pioniersein und die Stasi, bei der sich der Koffer inzwischen wahrscheinlich befindet. Wie das Abenteuer endet und ob Jobst und seine Mutter für immer in der DDR bleiben müssen, möchte die Autorin nicht verraten und empfiehlt, das Buch selbst zu Ende zu lesen.

Ihre Lesung gestaltet sie interaktiv, unter anderem durch eine Präsentation mit Bildern und Erfahrungen aus ihrer eigenen Kindheit. Besonders anschaulich, wenn auch wenig kritisch stellt sie die verschiedenen Bereiche des Lebens als Pionier dar anhand einiger Lieder, des Pioniergrußes und einer originalen Pionieruniform.

Im Anschluss an ihre gelungene Lesung beantwortet Franziska Gehm ausführlich viele verschiedene Fragen zu ihrem Leben und zu ihren Büchern. So erfahren die Kinder eine Menge über die beliebte Buchreihe „Die Vampirschwestern“ und sind begeistert, als die Autorin erzählt, sie sei auch bei den Dreharbeiten der Filme anwesend gewesen. Abschließend signiert sie lächelnd Bücher und Autogrammkarten.
Laura Meier + Magdalena Römischer, Q 12

„Alice im Netz“ – harter Stoff für sensible Kinder

Die Laufer Literaturtage lasten die Autoren nicht nur bei den Abendlesungen aus, sondern auch vormittags. Einige Autoren besuchen Laufer Schulen, um aus ihren Büchern zu lesen und dem jungen Publikum Fragen zu beantworten. So konnten die Schüler/innen der 8. Klassen des CJT - Gymnasiums am 9. November 2016 die Lesung von Antje Szillat im Kellertheater besuchen.

Schnell wurde klar, welches Genre die Schriftstellerin, die schon über 75 Werke verfasst hat, bevorzugt. Die anfangs harmlos wirkenden Bücher entpuppen sich nach und nach als teilweise recht grausame, sogar erschreckende und gruselige Geschichten. So auch das Buch, das Antje Szillat den Achtklässlern vorstellte. Der Titel „Alice im Netz“ verriet den Kindern nicht viel über die Handlung, und manche der Zuhörer/innen hätten sich vielleicht gewünscht, die genaue Story gar nicht so detailliert mitzubekommen. Szillat aber war sich sicher: Diesem Publikum konnte man so ein Buch antun. Sie war sich dabei so sicher, dass sie zweifelnde und teils ängstliche Blicke in den hinteren Reihen nicht mitbekam. Die Hauptperson Alice wird von einem Verfolger pausenlos beobachtet, bis sie eines Tages merkt, wie nah der Stalker tatsächlich an ihr dran ist. Spätestens an dieser Stelle wurde es vor allem einigen Mädchen zu viel. Verschränkte Arme, ängstliches Tuscheln mit der Nachbarin oder sogar das Zuhalten von Ohren waren zu sehen. Selbstverständlich waren auch Schüler und Schülerinnen vor Ort, die härter im Nehmen sind und denen die vorgelesenen Szenen weniger ausmachten. Vielleicht hätte Szillat an dieser Stelle besser mit dem Lesen aufgehört und sich den Fragen gewidmet -  aber sie las weiter und kam schließlich an einer Seite an, die viele doch als zu heftig empfanden. Glücklicherweise brach Szillat diese Szene bald ab, worauf die Erleichterung im Raum deutlich zu spüren war.

Im Anschluss beantwortete Antje Szillat viele gute Fragen der wissbegierigen Schüler, zeigte sich dabei manchmal etwas arrogant, jedoch meist sympathisch. Allerdings wirkte ihre fehlende Toleranz gegenüber Tuscheln im Publikum an manchen Stellen ein bisschen grob. Insgesamt war die Lesung für die 8. Klassen ohne Frage durchaus interessant, wäre aber angenehmer gewesen, wenn sie schülerfreundlicher durchgeführt worden wäre.                                                                      Oliver Winkler, Q 12

Die Rote Armee-Fraktion als Erfindung eines manisch-depressiven Jugendlichen? – Lesung von Frank Witzel im CJT

„Wie lebten die Jugendlichen damals im Nachkriegsdeutschland? Was waren ihre Hobbys und wie war ihr Alltag in der BRD?“

Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“. Der Autor des Buches, Frank Witzel, besuchte am 11. November im Rahmen der Laufer Literaturtage das Christoph-Jacob-Treu- Gymnasium und stellte einigen Deutschkursen der elften Jahrgangsstufe seinen Roman vor, für den er im Jahr 2015 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde.

In dem Roman wird aus der Sichtweise eines 13-jährigen Gymnasiasten von der politischen Situation, dem Alltag und dem Leben im westlichen Teil Deutschlands erzählt.  Durch das Vorlesen mehrerer Textpassagen bekamen die Schüler und Schülerinnen einen Einblick in das schulische Leben in der alten BRD.  „Als ich auf dem Gymnasium war, habe ich mir gar keine Gedanken über die Zukunft gemacht“, so leitete Frank Witzel anschließend eine längere Diskussion über die Schule von heute und damals ein. Der gebürtige Wiesbadener versuchte, gemeinsam mit den Schülern Parallelen zwischen damals und heute herzustellen. Es wurde viel darüber diskutiert, was am heutigen Schulsystem verbessert werden sollte, was damals besser oder schlechter war und was sich im Leben eines Jugendlichen von heute im Gegensatz zu damals verändert hat. Herr Witzel zeigte sich dabei äußerst aufgeschlossen und sehr interessiert am Leben der heutigen Jugendlichen.        
                                                                                                                                                                                                                                                                            Mia Sengelmann und Sirka Eckhoff, Q11

Martin Mosebach: Detaillierte Beschreibungen in ausgefeilter Sprache

Freitag, der 13. November 2015 – das Wochenfinale der Autorenlesungen am CJT beginnt. Die Schüler und Schülerinnen der Q11 sitzen bereits am Ende der ersten Pause im Kellertheater und warten auf den angekündigten Autor. Als Martin Mosebach den Raum betritt, wird schnell klar, dass man mit dem 1951 geborenen preisgekrönten Schriftsteller einen schon sehr erfahrenen Menschen vor sich stehen hat. Jemanden, von dem man bestimmt eine Menge lernen könnte, hätte man die Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihm. Glücklicherweise werden wir genau das am Ende noch haben.
Doch zunächst hat unser Direktor Herr Freiman zum dritten Mal in dieser Woche die Ehre einer für ihn typischen kurzen Begrüßung. Was wirklich kurz heißt, zeigen nach ihm zwei Schülerinnen, die  für ein paar einleitende Worte nach vorne kommen und das Geschehen anscheinend nicht lang aufhalten wollen.


Dann wird das Wort an Herrn Mosebach übergeben, der neben dem nett gedeckten Tisch auf der Bühne steht, lässig mit einer Hand in der Hosentasche, und beeindruckenderweise die gesamte Lesung keine Anstalten macht, sich zu setzen. Er startet mit einem Kompliment über unsere außergewöhnliche Schule und schön gestaltete Aula. Mehr Zeit verliert er nicht. Weder mit Informationen über seine eigene Person  noch über den Inhalt seines Romans, aus dem er vorlesen wird. Eine kurze Beschreibung der Hauptfigur Ivana - und schon wird man etwas unsanft in die doch sehr anspruchsvolle Lektüre geworfen. Faszinierend detailliert beschreibt er die Szenerie, eine große Hochzeit in Bosnien. Nach einiger Zeit wird es aufgrund der sehr genauen Schilderung von Details anstrengend, aufmerksam zu folgen. Dann aber kommt die schockierende Wende und plötzlich sind alle wieder hellwach.
Es folgt die leider ebenso detaillierte Beschreibung, wie das Baby der Hauptfigur während der ausgelassenen Feier von einem Leiterwagen überfahren wird. Nun, da alle Münder vor lauter Schreck offen stehen, klappt Martin Mosebach das Buch zu. Die Fragerunde beginnt.
Jetzt kommt so richtig Leben in die Lesung. Es werden spannende und auch außergewöhnliche Fragen gestellt, worauf Herr Mosebach ebenso spannende und außergewöhnliche Antworten gibt. Ein wenig erfährt man doch noch von ihm. Er studierte Rechtswissenschaften, wodurch er sich intensiv mit der Schönheit und Genauigkeit der deutschen Sprache auseinandersetzte – Voraussetzung für seine nuancierten und ausgefeilten Formulierungen. Dann wirft er ein völlig neues Licht auf den Beruf des Autors. Er setzt das Schreiben eines Buches mit Träumen gleich und beschreibt, wie jeder Autor, wie in der Musik, erst die richtige Tonlage finden müsse. Seine Werke verfasst er ausschließlich handschriftlich, denn kaum etwas sei schöner als ein weißes Blatt, das am Ende des Tages vollgeschrieben und schwarz sei. Nur der Moment, wenn er ein Buch nach vielen Selbstzweifeln und Widerständen schließlich doch beendet, übertreffe dies und zähle zu den schönsten Erlebnissen in seinem Berufsleben.
Insgesamt war die Lesung ihren Besuch auf jeden Fall wert. Man konnte eine neue Art von Lektüre kennen lernen, in der es weniger um die Geschichte als vielmehr um die Schönheit der Sprache geht. Die Macht von Wörtern hat Martin Mosebach mit seiner am Ende blutigen Szene eindrucksvoll gezeigt und beendet damit die Literaturwoche am CJT mit einem bleibenden Eindruck.

Sarah Pscherer, Q11

 

Eine Kindergang und ein ungewöhnlicher Weihnachtsabend als fesselnder Lesestoff: Zoran Drvenkar im CJT-Gymnasium

„Jedes Buch hat seine eigene Seele und sagt selber, wie es geschrieben werden will“, antwortet Zoran Drvenkar schmunzelnd auf eine Frage aus dem Publikum. Nach diesem Motto hat er bisher alle seine 45 Bücher verfasst. Ganz untypisch schreibt er alles, worauf er gerade Lust hat, und es gibt keine Genres, an die er sich nicht heranwagen würde. Seine Bücher orientieren sich an den Charakteren, die er im Herzen trägt.

1967 in Kroatien geboren und mit drei Jahren nach Berlin umgezogen, interessiert er sich bereits seit seinem zwölften Lebensjahr für das Schreiben, mit dem er – von ungezählten, inzwischen vernichteten Liebesgedichten abgesehen - ernsthaft im Alter von 21 Jahren beginnt. Sechzehn Jahre später veröffentlicht er sein Jugendbuch „Die Kurzhosengang“, welches bei den Schüler(inne)n der 5. Klassen des CJT auf große Begeisterung stößt. Erstaunen ist in den Gesichtern der Schüler zu lesen, als der Autor Näheres zum Hintergrund erzählt. Anfangs bringt er dieses Werk, dessen 4. Band demnächst erscheint, unter dem Namen von zwei erfundenen kanadischen Schriftstellern heraus und behauptet, es sei von Andreas Steinhöfel übersetzt worden. Auf Kanada als Schauplatz fiel seine Wahl wegen seiner Liebe zum Schnee und wegen seines Traums von einer Hütte mit Kamin.  Bis heute hat er es allerdings nicht geschafft, nach Kanada zu fahren. Noch größer ist die Verblüffung der Schüler(innen), als sie erfahren, dass er die Maskerade der zwei kanadischen Schriftsteller zwei Jahre lang aufrecht erhalten konnte und dass Andreas Steinhöfel für seine (nicht geleistete) Arbeit sogar einen Übersetzerpreis verliehen bekam.
Die Mitglieder der Kurzhosengang sind vier sehr unterschiedliche Jungen, deren Namen Zoran Drvenkar ganz bewusst gewählt hat. Schon immer wollte er einen Charakter, der den Namen eines Schokoriegels trägt; so entstand die Figur Snickers. Der Schauspieler Rudolf Valentino diente als Vorbild für den romantischen Rudolpho, der genau das Gegenteil seines Namensgebers, des „Weiberhelden“, ist. Der melancholische Island wiederum wird durch seinen Namen als „eine eigene Insel für sich“ beschrieben. Der Name des vierten Jungen, Zement, sagt schon alles über diesen Charakter aus, wie die Textstelle, die der Autor vorliest, dem Publikum deutlich macht. Der darin beschriebene Bandenstreit mit der verfeindeten Pauli-Gang und die Begegnung der vier Jungs mit einem Grizzlybären  veranschaulichen Drvenkars witzigen Schreibstil. Eine lebhafte Stimmung erzeugt Drvenkar zusätzlich,  indem er seine Lesung stehend abhält und das Gelesene mit passender Gestik und Mimik untermalt.
Lautes Lachen erfüllt das Kellertheater, als er aus seinem Buch „Die Nacht, in der meine Schwester den Weihnachtsmann entführte“ vorliest. Darin schildert er einige recht außergewöhnliche Weihnachtsabende mit seiner verrückten Familie. Dieses Werk kann man momentan leider nicht mehr kaufen.
Nach seiner gelungenen Lesung beantwortet Zoran Drvenkar ausführlich viele Fragen zu seinem Leben, seinen Büchern und seiner Art zu schreiben und signiert lächelnd seine Bücher und Autogrammkarten.

Laura Meier und Magdalena Römischer, Q 11

Arno Strobel: "Schlusstakt"

„Zu den Recherchen dieses Buches sprach ich sogar mit zwei DSDS- Kandidaten, welche sich in der Endrunde befanden“ - spätestens mit diesem Satz, hatte Arno Strobel die gesamte Aufmerksamkeit der Schüler der 9 Klassen auf seiner Seite.  Arno Strobel begann erst im Alter von vierzig Jahren zu schreiben. Nachdem er Informationstechnologie studiert hatte und einige Jahre als Unternehmensberater angestellt war, war er bis Anfang 2014 in einer großen luxemburgischen Bank beschäftigt. Seitdem lebte der jetzt 53-Jährige freiberufliche Autor mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Trier.
In der Lesung am 11.11.2015 im Christoph Jacob Treu Gymnasium las Arno Strobel aus seinem 2015 erschienenen Jugendbuch „Schlusstakt“ vor, in dem die 16-Jährige Protagonistin Vicky in der Castingshow Germanys Megastar auf einer Insel in den Malediven ihr Können unter Beweis stellen muss. Die 50 besten Kandidaten müssen allerdings nicht nur ihr Gesangstalent beweisen, sondern auch andere Prüfungen bestehen, welche die Härte des Showbusiness veranschaulichen sollen. Aber der Wettbewerb ist nicht nur hart, sondern tödlich. Eine Teilnehmerin wird am Strand gefunden – erschlagen.
Arno Strobel findet es am wichtigsten, dass eine Lesung nicht nur dazu da ist um Vorzulesen „Dafür kann man sich ja auch ein Hörbuch kaufen…“, sondern auch dafür den Autor besser kennenzulernen und eine Möglichkeit zu haben Fragen zu stellen. Diese Gelegenheit nutzten auch gleich mehrere Neuntklässler, und fragten beispielsweise, wie er es geschafft hatte sich in einen Jugendlichen hinein zu versetzten, da er ja das ganze Buch aus der Sicht einer 16-Jährigen geschrieben hatte. Diese Frage beantwortete Arno Strobel humorvoll damit, dass es für ihn nichts Schlimmeres gäbe, als Erwachsene, welche sich zu jung fühlten, und sich dadurch peinlich verhalten. Deshalb hat er versucht die Sprache unserem Alter anzupassen, jedoch nicht zu übertreiben. Eine Schülerin fragte auch sehr neugierig, wie viel der erfolgreiche Autor Arno Strobel verdient. Der Autor beantwortete diese Frage sehr ehrlich und erzählte, dass er, entgegen des großen Klischees, dass man sofort reich wird, wenn die eigenen Bücher erfolgreich werden, zwar genug Geld verdient, um mit seiner ganzen Familie ein paar Mal im Jahr in den Urlaub zu fahren, aber er sich nicht als einen sehr reichen Menschen bezeichnen würde. Nach den 90 Minuten, voll mit Witz und interessanten Beiträgen, wurde Arno Strobel mit großen Beifall verabschiedet. Er gab den Schülern dann noch Autogramme und signierte Bücher, die nach der Lesung zu Verkauf standen.

 

Mit den Zeitdetektiven durch die Jahrhunderte reisen

Fabian Lenk

„In Chemie war ich eine Pfeife“, erzählt Fabian Lenk seinen Zuhörern im Kellertheater des CJT, „aber jeder Mensch hat ein Talent, und so mache ich das, was ich am besten kann: schreiben“. Seit 18 Jahren veröffentlicht der studierte Journalist seine Jugendromane und geht häufig auf Lesereise.
Fabian Lenk stellt den Schülern der 5. Klassen des CJT aus seiner populären Reihe „Die Zeitdetektive“ den Band „Kleopatra und der Biss der Kobra“ vor.
Gleich zu Beginn der Lesung ist zu spüren, dass Fabian Lenk wirklich ein Talent hat für das, was er macht. Mit pointierter Betonung und vielseitigem Einsatz seiner Stimme liest er aus seinem Kinderkrimi und zieht die Schüler sofort mit auf die Reise ins antike Ägypten.
Die Protagonisten seiner Geschichte sind der kluge Julian, die schlagfertige Kim und der sportliche Leon, drei 12-jährige Freunde, und ihre geheimnisvolle 3500 Jahre alte Katze Kija. Als Zeitdetektive reisen sie mittels Tempus, einer Zeitmaschine, nach Ägypten. Auf der Grundlage realer geschichtlicher und geographischer Fakten entwickelt Lenk seinen Kinderkrimi, der 30 v. Chr. in Alexandria spielt. In ihrem Abenteuer gelangen die drei als Diener in den Palast Kleopatras, um die königlichen Katzen zu pflegen. Im Palast erleben sie die Eifersucht der Frau von Marcus Antonius und entschlüsseln geheimnisvolle Schriftrollen. Als Kleopatra tot in ihrem Schlafgemach liegt, rätseln die drei: Starb Kleopatra tatsächlich durch den Biss einer Kobra? Was hat die geschenkte Flöte mit dem Tod der Königin zu tun? Ihre Ermittlungen führen die Zeitdetektive schließlich in das düstere Haus eines Giftmischers…
Der geschichtliche Hintergrund der Geschichte ist sorgfältig recherchiert. Dies zeigt Fabian Lenk auch während der Lesung durch eingeblendete Bilder des alten Ägyptens. Die Idee zu diesem Band kam ihm durch einen kleinen Zeitungsartikel, nach dem es sich bei Kleopatras Tod nicht, wie immer behauptet, um einen Selbstmord gehandelt habe. Basierend auf authentischen Orten und Namen erzählt der Autor ein spannendes Abenteuer.
Im Anschluss an die Lesung stellt sich  Fabian Lenk mit Witz und Charme den Fragen der Schüler:  Es habe sehr lange gedauert, einen ersten Text an einen Verlag zu verkaufen. Nein, Millionär werde man als Autor nicht so schnell, er verdiene über die Masse der verkauften Bücher und bei den Lesungen, die ihm viel Spaß bereiteten. Von der Idee bis zum Buch recherchiere er ca. 2 Jahre, danach könne er das Buch innerhalb einiger Wochen verfassen. Deshalb empfiehlt Fabian Lenk auch den Schülern die sorgfältige Vorbereitung, dann bräuchten sie sich in der Schule keine Sorgen zu machen. Er schreibe gerne an drei Büchern parallel. Im nächsten Jahr wolle er eine neue Reihe mit den Themen Formel 1 und Kartsport veröffentlichen.
Nach seiner gelungenen Lesung gibt Fabian Lenk den begeisterten Schülern noch Autogramme in ihre mitgebrachten oder neu gekauften Bücher.

Sophie Rössig, Q 11

 

„April is a cruel time even though the sun may shine“

Angelika Klüssendorf stellt ihren Roman „April“ am CJT-Gymnasium vor.

Emanzipation kann auf verschiedene Arten geschehen. Und sei es nur, indem man sich selbst auf einen erfundenen Spitznamen tauft. Warum sich dann nicht April nennen? Nach dem Song von Deep Purple vielleicht? Genau dazu entscheidet sich die Protagonistin des Romans „April“ von Angelika Klüssendorf, der sich dem schwierigen Lebensweg der gleichnamigen jungen Frau widmet. Diese wächst in der DDR auf und leidet unter dem Gewicht eines realitätsfernen und unzuverlässigen Alkoholikers als Vater und einer cholerischen, sadistischen, kühlen Mutter. Für die Autorin ist dieses Werk ein Bildungsroman, da der Werdegang der Heldin von einem gequälten und verletzten Mädchen hin zu einer Schriftstellerin beschrieben wird, Letzteres jedoch erst im dritten Teil.
Den zweiten Teil der Trilogie, „April“,  stellte die Autorin am 05.11.2014 in ihrer Lesung im Christoph-Jacob-Treu-Gymnasium in Lauf an der Pegnitz den Deutschkursen der Q11 vor.
Im Anschluss an die Begrüßung durch den Schulleiter Herrn Freiman begann Frau Klüssendorf ihre Lesung mit dem 1. Kapitel ihres neuesten Werks. Mit erkennbarer Distanz und hoher Sprechgeschwindigkeit trug sie ihren Bestseller vor, beschrieb die desaströse Adoleszenz der Heldin, nachdem sie aus dem Kinderheim entlassen worden war, ihre Verzweiflung, ihre Schwangerschaft und schließlich die Ausreise mit ihrem Mann und Kind in die BRD.
Im Anschluss stellte die Autorin sich den Fragen der Schüler/innen zu ihrem Werk und ihrer Person. „April“ könne zwar als Fortsetzung ihres vorherigen Romans „Das Mädchens“ betrachtet werden, weise aber dennoch wichtige Unterschiede auf. Auch wurde Frau Klüssendorf nicht müde zu erwähnen, dass beide Bücher, obwohl sie viele persönliche Eindrücke eingeflochten habe, um die Entourage realistischer bezeichnen zu können, rein fiktive Romane seien. In diesem Zusammenhang gab sie sogar zu, dass ihr die Protagonistin April zwar nicht besonders „sympathisch“ sei, sie aber eine Außenseiterposition einnehme, wodurch sie für sie doch interessant sei. Sie konstatierte bei sich selbst einen gewissen Bezug zu Außenseitern, die sie immer wieder zu ihren Werken und Figuren inspirierten. Als anschauliches Beispiel schilderte Frau Klüssendorf eine Zugfahrt, bei der ihr eine offensichtlich schizophrene Frau gegenübersaß, die sie einmal mit der Stimme eines kleinen Mädchens, ein anderes Mal mit der einer reifen Dame ansprach. Eine solche Gelegenheit müsse sie sofort am Schopf packen, und daher habe sie diese Geschichte „sofort verbraten“, gestand die Autorin. Noch heute pflege sie Briefkontakt zu dieser Frau, wobei auch die Briefe zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten erkennen ließen.
Im Fazit resümierte die Wahlbrandenburgerin, dass 2014 „ein gutes Jahr“ für sie gewesen sei. Schließlich wurde sie mit verschiedenen Literaturpreisen prämiert sowie einem Platz auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis für ihr in drei harten Jahren geschaffenes Buch „April“. In ihrem Werk sehe sie sich vor allem „der Sprache verpflichtet“, zahlreiche namhafte Rezensionen beschreiben ihren Schreibstil als „lakonisch“, „schlicht und schnörkellos“ (Der Spiegel Online). Passend dazu fielen auch ihre Antworten und Erklärungen reichlich spröde, sachlich und vor allem distanziert aus, auch wenn deutlich zu merken war, dass bestimmte Fragen und das Interesse seitens der Schüler sie erwärmten.

Tobias Hansen, Q11

 

„Erebos“: Vom harmlosen Spiel zum Mordauftrag

Ursula Poznanski zu Gast am CJT-Gymnasium

Ein lebendiges Computerspiel, welches alles über dich weiß, teilweise in der realen Welt spielt und dir immer gefährlichere Aufträge erteilt?
An so ein Spiel gelangt eines Tages der 16-jährige Nick. Obwohl er Warnungen erhält, die Finger davon zu lassen, gerät er immer tiefer in den Sog der fantastischen Welten von „Erebos“ – bis er schließlich jemanden in der realen Welt töten soll.
Gespannt lauschten die Schüler und Schülerinnen der 9. Klassen, als Ursula Poznanski am 05.11.2014 am Christoph-Jacob-Treu-Gymnasium in Lauf zu Gast war und ihr inzwischen berühmtes  Jugendbuch „Erebos“ in zwei Lesungen vorstellte.
Den Schülerinnen und Schülern war die Neugier an der Autorin und ihrem Werk deutlich  anzumerken. Dementsprechend  stellten sie viele Fragen, die alle freundlich, witzig, zuweilen auch tiefsinnig beantwortet wurden.
So erfuhren die Zuhörer, wie lange Ursula Poznanski an „Erebos“ geschrieben hat oder wie ihr die Idee mit dem Computerspiel einfiel.
Aber nicht nur zu „Erebos“  stellten die Schüler/innen  neugierig Fragen, sondern auch zur Arbeit einer Schriftstellerin, zur Namensfindung für Personen in Romanen bis hin zu den Filmrechten, welche für viele Bücher „vorsorglich“ gekauft würden, ohne dass es unbedingt zu einer Verfilmung komme.
Die sehr freundliche, lebhafte und aufgeschlossene Autorin begeisterte ihr Publikum, sodass die Zeit wie im Flug verging.

Felix Schultes, Q11

 

„Soll ich etwa mit dem Fuß mein Buch umblättern?“ –

Antonia Michaelis begeistert ihr Publikum

Als die Neuntklässler des CJT in Lauf am 04.11.2013 euphorisch aus dem Kellertheater stürmen, hat die Kinder-und Jugendbuchautorin Antonia Michaelis ein neues Publikum für sich gewonnen. Im Rahmen der Laufer Literaturtage ist die Schriftstellerin, die aus Schleswig-Holstein stammt und nun in Vorpommern lebt, zu Gast am CJT. Ihr Roman „Der Märchenerzähler“ erntete großen Ruhm, in Fachkreisen wird sie hymnisch als zweite Cornelia Funke gefeiert. So doppelbödig und unheimlich ihre Romane auch sind – im persönlichen Kontakt entpuppt sich Antonia Michaelis als äußerst humorvoll und sympathisch. Sie sei gerade aus Istanbul zurück und habe sich dort ein wenig erkältet, erzählt sie. Trotzdem verzichtet sie auf das Mikrofon, denn „womit soll ich, mit dem Mikro in der einen Hand und dem Buch in der anderen, dann umblättern? Mit dem Fuß etwa?“,  und obwohl sie ihren Zuhörern zu Beginn der Lesung die Erlaubnis erteilt einzuschlafen, hören alle gespannt zu, als sie aus dem neu erschienenen Roman „Nashville – oder Das Wolfsspiel“ vorliest. Diesen Roman bezeichnet sie trotz seines Spannungsfaktors nicht als Thriller - „ein paar Leute müssen ja immer sterben“ -, denn die Geschichte ist nicht ganz unrealistisch. „Nashville“ erzählt von Svenja, einer Medizinstudentin, die nach Tübingen zieht und im Wandschrank ihrer neuen Wohnung einen auf dem Kopf stehenden kleinen Jungen findet, der nicht redet, jede Nacht verschwindet und blutverschmiert wieder zurückkommt. In Svenja erkennt man Züge der Autorin wieder: Sie selbst hat Medizin in Tübingen studiert, allerdings keinen Jungen in ihrem Schrank gefunden. Frau Michaelis entschuldigt sich nebenbei mit einem ironischen Lächeln dafür, dass sie die ist, „ die die Jugend versaut“,  wie einige Kritiker meinen. Das von ihr geschilderte Studentenmilieu ist nämlich mehr geprägt von Drogen, Sex und wilden Partys als vom Pauken. Im Laufe der Lesung, die dank ihrer lebhaften Intonation und Mimik und der ständigen Interaktion mit den Schülern einer One-Woman-Show ähnelt, wird das Geheimnis um Nashville gelüftet. Der kleine Junge kommt  aus der Szene der Obdachlosen und besucht jede Nacht seine tote Mutter, sucht aber Unterschlupf bei Svenja. Der Roman ist allerdings nicht nur gruselig, sondern auch witzig und übt massiv Gesellschaftskritik, da er die harte Existenz der Obdachlosen schildert, die nichts als Verachtung ernten.  Am Ende der Lesung weist Antonia Michaelis darauf hin, dass es im Internet einen Trailer zu „Nashville“ gibt, der in Tübingen gedreht wurde. Anschließend nimmt sie sich Zeit,  einige Fragen zu beantworten. So erfahren die Schüler/innen zum Beispiel, dass ihre genialen Einfälle immer ganz plötzlich entstehen und sich von selbst weiterentwickeln. Dabei erweise sich ihr aktueller Wohnort nahe Usedom durchaus als inspirierend, verrät sie.  Alle sind überrascht,  als der Gong schließlich zur Pause und somit zum Ende der anregenden und spannenden Zeit mit Antonia Michaelis läutet. Jeder hätte gern auch noch die folgenden Unterrichtsstunden mit ihr und ihren Geschichten verbracht.      

Émeline Sisalem, Q 11

Doppelmord in der Stummfilmzeit

Krimiautorin Andrea Maria Schenkel liest am CJT-Gymnasium

Als Andrea Maria Schenkel am 07.11.2013 im Kellertheater des Christoph-Jacob-Treu-Gymnasiums zu lesen beginnt, wird es augenblicklich still. Im Rahmen der Laufer Literaturtage ist die Autorin aus Regensburg zu Gast und gibt den Schülern der Q11 einen Einblick in ihren neuesten Kriminalroman „Täuscher“. Seit ihrem Erstling „Tannöd“, mit dem sie ein neues Genre geschaffen hat, ist Frau Schenkel bekannt und vielfach preisgekrönt für ihre Krimis. In „Täuscher“ geht es um einen Doppelmord an einer jungen Klavierlehrerin und ihrer Mutter, der 1922 in Landshut begangen wurde. Die Lektüre durch die gebürtige Oberpfälzerin wirkt sehr authentisch, geschickt verwebt Frau Schenkel die unterschiedlichen Erzählstränge und die Erzählperspektiven mit ihrem jeweils eigenen Sprachstil miteinander. Man glaubt, die einzelnen Personen leibhaftig vor sich zu sehen, so atmosphärisch wirkt die Lesung. Nichts bringt die Autorin aus der Ruhe, nicht einmal kleinere technische Unterbrechungen wegen des Mikrofons stören sie. So versinkt sie – und damit auch ihr Publikum - zurück ins Jahr 1922, als das Kino noch ganz neu war und vielen Menschen, auch dem mutmaßlichen Täter, den Kopf verdreht. Nach einer knappen Stunde ununterbrochenen Lesens nimmt sich Frau Schenkel Zeit, ihren Zuhörern den historischen Hintergrund zu verdeutlichen. „Täuscher“ spielt in der  Wendezeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, einer Zeit des sozialen Abstiegs für viele Bevölkerungsgruppen, bedingt durch den Wandel von der Kaiserzeit hin zur Republik und die wirtschaftlichen Probleme in der Folge des Krieges. Auch Clara und ihre Mutter, die beiden Mordopfer, mussten eine Verschlechterung ihres  Lebensstandards hinnehmen. Ein Hauch Kritik an den Medien ist ebenfalls zu verspüren, als Frau Schenkel sagt, der  des Mordes Angeklagte sei von den Zeitungen vorverurteilt worden, ebenso das Kino, das am Pranger stand, weil es in schaurigen Stummfilmen dem Mörder die Tat vorgespielt habe. Um das Trauma des gerade aus dem Krieg Heimgekehrten habe sich dagegen niemand gekümmert.
Parallelen zu heutigen Verhältnissen lassen sich laut Frau Schenkel ohne Weiteres finden: Computerspielen werde heute die Schuld an jugendlichen Gewaltexzessen gegeben, traumatische Kriegserlebnisse wie z.B. in Afghanistan werden nicht aufgearbeitet. So habe es in den vergangenen 90 Jahren  nur eine „knappe Veränderung“ gegeben: „Die Zeiten ändern sich immer wieder, aber das, was bewegt, bleibt immer das Gleiche“.
Zum Schluss haben die Schüler/innen Gelegenheit, einige Fragen zu stellen, und so erfahren sie, dass Frau Schenkel vier Jahre lang an „Täuscher“ gearbeitet hat. Die Recherchen seien sehr zeitaufwendig, aber auch sehr interessant gewesen, berichtet Frau Schenkel. Inspiriert ist  der Krimi von einem wahren Doppelmordfall, und um das Geschehen möglichst real darzustellen, recherchiert sie in Polizei- und Gerichtsakten ebenso wie nach Informationen in den damaligen Zeitungen über das Wetter. Nach 90 Minuten geht die spannende Lesung mit viel aufgefrischtem Wissen über die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zu Ende.

Émeline Sisalem, Q 11

Vanessa Walder : Brutaler Anfang eines Buches ohne Bösewichter

„GU-TEN MOR-GEN, FRAU WAL-DER !“, wird die Autorin Vanessa Walder von den jüngsten Schülern des Christoph-Jacob-Treu-Gymnasiums am 6. November 2013 im Kellertheater begrüßt.
Gleich zu Beginn der Lesung fragt die charismatische Autorin ihre jungen Zuhörer nach ihren Lieblingsgenres für Bücher. Sofort schießen Hände nach oben, begeistert tun die Schüler ihre Meinungen kund. Ganz weit oben in der Rangliste stehen natürlich Fantasy- und Abenteuerromane, aber auch Krimis und Horror sind mit dabei. Als die Sprache jedoch auf Liebesgeschichten kommt, herrscht allgemeines Naserümpfen.
Bevor Frau Walder zu lesen beginnt, warnt sie: „Nur damit ihr´s wisst, es fängt ein wenig brutaler an ..“, worauf einstimmiger Jubel ertönt. Im ersten Kapitel des ersten Buches ihrer berühmten Elfenkönig-Reihe „Der Zauberfluch des Elfenkönigs“ wird die Protagonistin Ariane von einem Drachen entführt.  Von Anfang an hat die Autorin die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer, und sobald das Ende des Kapitels erreicht ist, wird mehr gefordert: „Frau Walder, können Sie bitte nicht am spannendsten Punkt aufhören? Das würde doch Ihre ganze Lesung über den Haufen werfen!“.
Auf die Frage nach der Inspiration zu dem „Zauberfluch des Elfenkönigs“ antwortet sie, sie habe als erste Autorin die Herausforderung in Angriff nehmen wollen, ein Buch zu schreiben, bei dem es keinen wirklichen Bösewicht gibt.
Nach dem Versprechen, später weiterzulesen, erzählt Frau Walder zunächst von ihrem literarischen Werdegang und ihrer Arbeit als Autorin.
Geboren ist die Österreicherin 1978 in Heidelberg, wuchs in Wien auf, lebt inzwischen aber in Berlin. Dass in Artikeln - wie auch in diesem -  immer geschrieben steht, wo und wann sie geboren wurde, amüsiert sie; allmählich wisse sie es, denn „Ich war ja schließlich dabei !“ Nach dem Schulabschluss begann sie zunächst ein Jurastudium, wechselte nach der erfolgreichen Veröffentlichung einiger Artikel in dem Magazin „Dicke Freunde, dünne Haut“ jedoch in den Journalismus. Sie betont, es gehe in dieser Zeitschrift nicht um dicke Menschen, die zerplatzen, und äußert ihre Verwunderung darüber, wie oft sie das gefragt werde.
Sich selbst bezeichnet sie als „von Natur aus chaotisch“ und arbeitet aus diesem Grund auch selten an zwei Dingen gleichzeitig. Wenn sie mit dem Schreiben eines Romans beginnt, dürfe sie keine längeren Pausen machen, da es ihr sonst schwer falle, sich wieder in die Denk- und Handlungsweise der Charaktere hineinzuversetzen. In 15 Jahren habe sie etwa 70 Bücher geschrieben, den größten Teil davon für Kinder. Sie möge junges Publikum lieber, das sei ehrlicher zu ihr.
Auch war sie früher viel mehr unterwegs, hielt manchmal bis zu 300 Lesungen pro Jahr, aber damals hatte sie, wie sie sagt, ,,auch noch keinen Freund oder zumindest keinen, den ich sehen wollte“. Prompt erzählt sie eine Anekdote über den Leserbrief eines Mädchens, das damit drohte, sie zu verklagen, wenn sie keine Fortsetzung ihres Buches schreiben würde. Ihr Vater sei Anwalt.
Schließlich liest Frau Walder noch das zweite Kapitel des Buches. Für ein ganzes weiteres Kapitel fehlt die Zeit, obwohl die Kinder gerne noch mehr gehört hätten. Es habe schon Lesungen gegeben, berichtet die Autorin lachend, während denen die Kinder ihre eigenen Exemplare mitgebracht haben und mitlasen, um sie dann zu verbessern, wenn sie Textstellen veränderte oder gar ausließ: „Sie, Sie! Das mit der Badewanne, das haben Sie ausgelassen !“, „Sie, Sie ! Da steht aber noch: „Das Fenster ist offen.“ „Ja, ja - das Fenster war offen.“
Die humorvolle Autorin schließt die Lesung mit einem Bericht über ihr neuestes Werk „Das wilde Määäh“ - ein Schaf, das unter Wölfen aufwächst – und ihren Berufswunsch, als sie noch ein Kind war: Superheldin oder Zorro. Tosender Applaus, dann stürmen ihre Fans nach vorne zur Autogrammstunde.                                                                                              

Julia Gebhardt, Q 11