Museum Mödlareuth

Besuch des deutsch-deutschen Museums Mödlareuth

Im Januar 1989 war sich der damalige Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, sicher, dass „die Mauer […] in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben (wird)“. Keine zwei Jahre später gehörten nicht nur der „Eiserne Vorhang“, der Deutschland in einen West- und einen Ostteil zerschnitt, sondern auch die Herrschaft der SED und die gesamte DDR der Vergangenheit an.
Fast auf den Tag genau 26 Jahre nach Honeckers Äußerung besuchten die Klassen 10b und 10d am 6. Februar 2015 das oberfränkisch-thüringische Dorf Mödlareuth, das wie kaum ein anderer Ort unter der 45 Jahre andauernden Teilung Deutschlands gelitten hat. Der Tannbach nämlich, der mitten durch das 50-Seelen-Nest fließt, diente zwischen 1945 und 1990 als Staatsgrenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Infolgedessen wurde nicht nur der Ort an sich, sondern auch das soziale Leben der Bewohner zerschnitten: Schule, Kirche und Wirtshaus lagen von einem Tag auf den anderen in unterschiedlichen, sich in ihrer Weltanschauung diametral unterscheidenden Zonen bzw. Staaten.

An der Stelle, an der bis 1989 die DDR-Grenzanlagen verliefen, ist heute der Außenbereich des deutsch-deutschen Museums Mödlareuth beheimatet. Hier wurde den Schülern unter fachkundiger Anleitung von Herrn Frank, der im Auftrag der bayerischen Landeszentrale für politische Bildung die Jugendlichen durch die Einrichtung leitete, plastisch vor Augen geführt, welch große Mühen das SED-Regime darauf verwendete, seine Bürger an einer Ausreise zu hindern: Der Aufbau von Stacheldrahtzaun und Betonmauer wurden ebenso verdeutlicht wie die Funktionsweise einer dornenbesetzten Autosperre oder der Antipersonenmine SM-70, die bei der Berührung des Stacheldrahts den „Republikflüchtling“ auf grausame Weise stoppen sollte.
Neben dem Außenbereich besuchten die Zehntklässler, die von den Studienreferendaren Janine Reinhard und Ralf Schlichte sowie Herrn OStR Dr. Matthias Kausch begleitet wurden,  auch den „Kinosaal“ des Museums. Hier erhielten sie einen ausführlichen Vortrag über die Geschichte Mödlareuths, die Entwicklung der Grenzanlagen sowie über den von Kontrollen und Schikanen bestimmten Alltag derer, die im Ostteil des Dorfes lebten. Ein Filmbeitrag ergänzte und vertiefte die Ausführungen.
Auf dem Rückweg nach Lauf zeigten sich die Schüler durchwegs vom Gesehenen beeindruckt: Es sei nun leichter, die Umstände, unter denen die DDR-Bevölkerung leben musste, nachvollziehen zu können. Beschlossen wurde der interessante Ausflug von einem kurzweiligen, von Sergen Demiroglu (10d) durchgeführten Geschichtsquiz, mithilfe dessen der Moderator die eine oder andere Wissenslücke seiner Mitschüler aufdecken und schließen half.

R. Schlichte